Exhibition

Mehrwert für alle: Über das inklusive Ausstellungskonzept

Es ist eine einzigartige Landesausstellung, die noch bis 8. November 2026 unter dem Titel „Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit.“ stattfindet.
Cornelia Ritzer

Erstmals findet eine Landesausstellung auf einem Klinikareal bei laufendem Betrieb statt, mit dem Inhalt wird seelische Gesundheit als gesamtgesellschaftliches Anliegen vermittelt. Um möglichst viele Menschen den Zugang zur Ausstellung zu ermöglichen, wurde ein inklusives Konzept umgesetzt. 

 

Die NÖ Landesausstellung 2026 am Areal des Landesklinikum Mauer hat noch bis 

8. November 2026 täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Landesausstellung versteht sich als Beitrag zu einer inklusiven, wertschätzenden Gesellschaft. Das inklusive Ausstellungskonzept soll dies verdeutlichen und möglichst vielen Menschen einen Besuch der Landesausstellung ermöglichen. Unterstützende Angebote wie Leitsystem, inklusives Ausstellungsdesign, Audioguides und Führungen bzw. auf die unterschiedlichen Altersgruppen abgestimmte Vermittlungsformate sowie Workshops erleichtern den inhaltlichen Zugang für alle Menschen.

Das inklusive Ausstellungskonzept wurde in Kooperation mit dem Schwerhörigenbund Österreich (ÖSB), dem Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ), der Lebenshilfe Niederösterreich – Werkstätte Kemmelbach und einer internen Beratungsgruppe des Landesklinikums Mauer erstellt. 

Das barrierefreie Konzept folgt dem Prinzip des Mehrwerts für alle. Zentrales Gestaltungsprinzip ist die Verschränkung statt der Trennung von Angeboten. Texte in einfacher Sprache fungieren als verständliche Einführungen. Untertitel, verschriftlichte Inhalte und die Umwandlung ausgewählter Texte in Hörstationen kommen ebenfalls allen Besucherinnen und Besuchern zugute, unabhängig von individuellen Bedürfnissen oder Nutzungssituationen. 

Zugleich wurde eine bewusste Auswahl der barrierefreien Aufbereitung getroffen. Nicht jeder Inhalt wird für alle Sinne übersetzt: Stattdessen sind jene Elemente barrierefrei gestaltet, die zentral für die Botschaft, Haltung und Dramaturgie der Ausstellung sind. Dadurch bleibt die Vermittlung präzise und inhaltlich fokussiert.

Die konkreten Maßnahmen

Das Landesklinikum Mauer ist barrierefrei zugänglich. Mehrere Gebäude verfügen über rollstuhlgerechte Zugänge mit Rampen und Handläufen. Die Wege im Außenbereich sind eben und gut begehbar. Für Besucherinnen und Besucher mit Mobilitätseinschränkungen stehen barrierefreie Parkplätze am temporären Parkplatz zur Verfügung.

Und auch die Ausstellung im Haus 21 sowie der Lernort im Haus 18 bieten barrierefreie Zugänge. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es grundsätzlich keine baulichen Hürden; Rampen und Aufzüge sind vorhanden. Bei der Ausstellungsarchitektur sind zwar nicht alle, aber viele Möbel unterfahrbar bzw. ausreichend zugänglich. In Haus 18 führt ein taktiles Bodeninformationssystem gezielt in beide Ausstellungsräume.

Der inklusive Audio-Guide ist nicht als Sonderlösung konzipiert, sondern führt gleichwertig durch die gesamte Ausstellung und ist über QR-Codes über das eigene Smartphone abrufbar. Er vermittelt die wesentlichen Inhalte, lädt aber gleichzeitig dazu ein, sich mit ausgewählten Exponaten zu befassen, sei es durch Betrachten, Fühlen oder Hören. Damit ergibt sich ein abwechslungsreicher Weg durch die Ausstellung, der unterschiedliche Objekte und Medien miteinander verbindet. Der Audio-Guide bietet außerdem die Möglichkeit, die Kapitel- und Subkapitel im Original abzurufen.

Für blinde und sehbehinderte Menschen wird ein durchgehendes taktiles Bodenleitsystem vom Parkplatz bis in alle Bereiche der Ausstellung implementiert. Die Elemente, die nur temporär für die Ausstellung genutzt werden, können rückstandsfrei entfernt und wiederverwendet werden. Die Orientierung wird zusätzlich durch akustische Wegbeschreibungen über den Audio-Guide unterstützt, abrufbar per QR-Code am eigenen Endgerät.

Ausgewählte Exponate werden als Tastobjekte oder Reliefs umgesetzt; ergänzend werden ohnehin betastbare Originale gezielt in die Vermittlung eingebunden und mit Braille-Beschriftungen versehen. Dasselbe gilt für ausgewählte Vermittlungsstationen. In Haus 18 wird bei jedem Kapitel ein barrierearmes Vermittlungsangebot in Form von teils taktilen Tafeln mit Texten in teils einfacher Sprache bereitgestellt, die in die Hand genommen werden können.

Für hörbehinderte und gehörlose Menschen sind Videos durchgehend untertitelt. Hörstationen verfügen über induktionsverstärkte Hörer; sämtliche Inhalte stehen zusätzlich als Texte über QR-Codes zur Verfügung und ermöglichen individuelle technische Lösungen. Hörstationen werden außerdem in Form von Transkripten zugänglich gemacht. Ins Begrüßungsvideo und in ausgewählte Interview-Videos sind Videos in österreichischer Gebärdensprache eingebettet.

Für Besucherinnen und Besucher mit kognitiven Beeinträchtigungen bzw. Leseschwäche sind Kapitel- und Subkapiteltexte konsequent auch in einfacher Sprache verfügbar und unterstützen eine selbstständige Orientierung im Ausstellungsnarrativ. 

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