Zwei Bücher rund um die NÖ Landesausstellung 2026
„Landesklinikum Mauer. Ort zur seelischen Gesundung" und „Irre, wer wolle" zeigen unterschiedliche Perspektiven auf das Areal und die Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Niederösterreich.Im Zusammenhang mit der NÖ Landesausstellung 2026 wurden im Festsaal des LK Mauer zwei Publikationen präsentiert, die sich mit der Geschichte, Architektur und den menschlichen Schicksalen dieses Ortes auseinandersetzen.
„Landesklinikum Mauer. Ort zur seelischen Gesundung“ aus der Buchreihe „Menschen und Denkmale“ (Hrsg. Land Niederösterreich, Abt. Kunst und Kultur):
Das heutige Landesklinikum Amstetten-Mauer – von 1898 bis 1902 als „Kaiser Franz Joseph-Landes-Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling“ errichtet – zählt zu den bedeutendsten Bauwerken des Jugendstils in Niederösterreich. Die großzügig angelegte Pavillonanlage, die von secessionistischen Ornamenten, offener Bauweise und der modernen Nutzung von Eisen- und Gussbeton geprägt ist, markierte um 1900 eine Revolution im Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Die reich illustrierte Publikation der Buchreihe „Menschen und Denkmale“ stellt das Landesklinikum Amstetten-Mauer als Ort der Gesundung im Wandel der Zeit vor. Neben einer umfassenden Präsentation dieses Jugendstiljuwels werden auch bislang unbekannte Bereiche wie das „Pflegedorf“ oder der „Anstaltsprater“ vor den Vorhang geholt. Die bedrückende Zeit des Nationalsozialismus wird ebenfalls beleuchtet. Im Vorfeld der Niederösterreichischen Landesausstellung 2026 wurden umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten am denkmalgeschützten Ensemble durchgeführt. Die Publikation zeigt, dass zeitgemäße Denkmalpflege mit den Anforderungen eines modernen Klinik- und Pflegebetriebs vereinbar ist. So konnte die behutsame Erneuerung des Landesklinikums Amstetten-Mauer als Lebens und Arbeitsraum für Mitarbeitende sowie für Patientinnen und Patienten erfolgreich umgesetzt werden.
„Irre, wer wolle – Das verrückte Leben des Josef Karl Rädler“ (Autor: Wolfgang Krug):
Er war Ende 40 und ein gefeierter Wiener Porzellanmaler als seine Familie zum Schluss kam, dass mit ihm etwas nicht stimme und er in psychiatrische Betreuung übergeführt wurde. Das war 1893. Nur das Parere eines einzigen Arztes war dafür notwendig. Man holte den Ahnungslosen ab und bald schlossen sich hinter ihm Türen und Tore, für rund 24 Jahre, bis zu seinem Tod.
Seiner erfolgreichen Vergangenheit, seines Berufs und seiner Familie beraubt, kämpfte Rädler gegen die Bedeutungslosigkeit, gegen das Vergessen und gegen die Einsamkeit. Er malte hier was ihn umgab, die kleinsten Dinge gewannen an Bedeutung. Seine Aquarelle ergänzte er mit Texten, in denen er sein Weltbild darlegte und für Frieden auf der Welt eintrat. Diese sogenannten, viele biografische Details preisgebenden „Kunstbriefe“ sollten ihn auch einst bei den Nachkommen rehabilitieren.
Die Landessammlungen Niederösterreich verfügen über einen Bestand von mehr als 500 malerischen Arbeiten des Künstlers, die den Alltag in der Anstalt, die Patientinnen und Patienten in seinem Umfeld und ihre Befindlichkeiten dokumentieren, zuerst am sogenannten „Bründlfeld“ in Wien und dann in der Landes-Heil- und Pflege-Anstalt Mauer-Öhling. Den mehr als 500 Aquarellen entsprechen über tausend Seiten mit Texten, denn Rädler beschriftete seine Blätter nicht nur bis zum Rand, sondern auch auf der Rückseite. Deren wissenschaftliche Auswertung machte es möglich erstmals ausführlich über sein Leben zu berichten, über seine Erfolge als Geschäftsmann, über die Hintergründe für seine Einlieferung und den Anstaltsalltag im Allgemeinen. Die bewegende Lebensgeschichte des Künstlers, der sich neu erfinden musste, um sein Schicksal zu ertragen, wird im Buch durch mehr als 250 Bildtafeln illustriert.
Rädler schwebte vor, dass seine Arbeiten einst weltweit in Museen und Ausstellungen zu bewundern sein und dazu beitragen würden, die Welt zu verbessern. Zumindest ersteres kann rund 30 Jahre nach der Erstpräsentation im Niederösterreichischen Landesmuseum als erreicht gelten. Aquarelle von ihm befinden sich mittlerweile in den wichtigsten Art Brut Kollektionen auf dem Kontinent und in Übersee und das Interesse daran war noch nie so groß, wie heute.